Bärbel Rothhaar
 
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Im Rahmen von Vereinte Vereine
Projekt des Kunstvereins Loitz, 2012

Ein Hotel in Loitz, einem Ort am nord-östlichen Rand der ehemaligen DDR, beherbergte einen Monat lang das BIENEN-HOTELZIMMER. In dieser temporären Kunstinstallation teilten die Hotelgäste den Raum mit einem Bienenvolk, das in einem gläsernen Schaukasten lebte.

In einer ungewöhnlich langen Vorbereitungsphase von zwei Jahren arbeitete die Künstlerin mit vier Loitzer Imkern zusammen. Sie wurden interviewt, portraitiert und waren bereit, ihre wächsernen Portraits für eine gewisse Zeit in ihre eigenen Bienenvölker einzusetzen, um sie dort von den Bienen verändern zu lassen.

Die Interviews zeigten, dass sich die Imkerei seit der Wende wirtschaftlich nicht mehr lohnt und dass es deshalb auch keinen Imker-Nachwuchs gibt. Es steht also zu befürchten, dass die Honigbienen in diesem Landstrich vom Aussterben bedroht sind. Was das für das ökologische Gleichgewicht (z.B. Bestäubung von Pflanzen) bedeutet, ist noch gar nicht absehbar.

Einer der Imker betreute die Installation eines lebenden Bienenvolkes während des Kunstfestivals. Die Bienen lebten in einem verglasten Schaukasten, der einen Ausgang ins Freie hatte, so dass die Gäste des Hotelzimmers sie gefahrlos zu allen Tages- und Nachtzeiten beobachten konnten. Die eigens angefertigte Bettwäsche des Hotelzimmers war mit den Erzählungen der Imker und Diagrammen der Tanzsprache der Bienen bedruckt. An den Wänden waren die bereits von den Bienen bearbeiteten Imkerportraits zu sehen.

Die Gäste des Hotelzimmers wurden gefilmt und zu ihren Erfahrungen mit den Bienen befragt. Mich interessierte vor allem die Spannung zwischen öffentlichem und privatem Raum. Menschen sind im Schlaf offen und verletzlich, und was wäre intimer als ein Schlafraum? Sie sollten in diesem Raum einem Lebewesen begegnen, das sich sozial organisiert und dazu höchst komplexe Kommunikationstechniken entwickelt hat, uns aber in gewisser Weise doch fremd bleibt.
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